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Fashion Show

Anlässlich der Finissage der Foto-Ausstellung von Hinnerk Wienke
„Mali – Die Welt der Tankstellen“ laden wir ein zur

Fashion-Show mit Mode von MaliMali aus Djenné

begleitend ein Bilderreigen zu Mode, Menschen, Feste

Beginn: 19.00 Uhr

Dienstag, 30. Oktober 2012

Moped, Salmgasse 23, 1030 Wien

 Bild

MaliMali ist ein Textilstudio in der alten Handelsstadt Djenné im Nigerbinnendelta. Unter der Anleitung von Sophie Sarin produziert das Studio wunderbar charmante Stoffe, Kleider, Heimtextilien und Accessoires und verbindet die traditionelle westafrikanische Färbetechnik Bogolan mit modernem Design. Bogolan heißt wörtlich übersetzt „mit Schlamm gemacht“. Die kunstvollen Muster werden durch wiederholtes Auftragen von Schlamm und Saft, der sowohl aus Blättern als auch aus Baumrinde gewonnen wird, hergestellt.

Nachdem aufgrund der unsicheren politischen Situation der Tourismus vollständig zusammengebrochen ist, hat Sophie die Angestellten ihres Lehmhotels in Djenné nach gästelosen Monaten nicht entlassen, sondern ihnen das Erlernen der Bogolan-Technik ermöglicht und das MaliMali Studio sukzessive als zweites Standbein ausgebaut.

Die Produkte gibt es seit drei Monaten im online Shop zu kaufen (Kontakt: www.malimali.org). Einige der vorgeführten Modelle und Fotos sind an diesem Abend direkt käuflich zu erwerben.

18 Monate lang, von Oktober 2010 bis März 2012, haben Hinnerk Wienke und Elisabeth Förg in einer ländlichen Region Malis gelebt und gearbeitet. Die Fotoserien „Die Welt der Tankstellen“, „Mode, Menschen, Feste“ sind auf privaten und beruflichen Reisen quer durchs Land entstanden.

Kontakt Fotos: hwienke@gmx.net

Kontakt Moped: https://www.facebook.com/dasmoped1030

Einladung zur Eröffnung der Ausstellung von Hinnerk Wienke

Moped, Salmgasse 23, 1030 Wien

Vernissage am 5. Oktober 2012, 20.00 Uhr, mit Mali-Musik im Moped-Hinterzimmer

Einführende Worte: Wolfgang Gerlich, Landschaftsplaner und Geschäftsführer PlanSinn

Ausstellung von 6. bis 26. Oktober 2012

Während in Österreich auf 1000 EinwohnerInnen 537 PKW kommen, sind es Mali gerade mal 3. Was im Umkehrschluss nicht bedeutet, dass einer Tankstelle in Mali eine 144mal geringere Bedeutung zukommt.

Tankstellen sind nicht nur „Anlagen mit Zapfsäulen, wo man Fahrzeuge mit Treibstoff und Öl versorgen kann“ (Definition Duden), sondern dienen als gesellschaftlicher Treffpunkt, Labstation, Informationsdrehscheibe und Orientierungszeichen. Rund um Tankstellen siedeln sich Kioske und kleine Geschäfte an, StraßenhändlerInnen bieten Imbisse feil, Koranschüler halten Ausschau nach großzügigen Wohltätern. In einem der ärmsten Länder der Welt ist ein Tankstellenbesitzer ein gemachter Mann.

Hinnerk Wienke

Ruhrpott-Emigrant, lebt und arbeitet seit bald drei Jahrzehnten in Wien. Reisender per Passion, am liebsten per Rad, manchmal per Fuß, in Mali ausnahmsweise per Auto. Mit seinem Blick für scheinbar Nebensächliches hat er das Warten und das Unterwegs Sein in verschiedenen Serien fest gehalten: Cuba Waiting (2003), Bushaltestellen in Georgien (2005), Kirgisien (2007), Tschechien (2009).

18 Monate lang, von Oktober 2010 bis März 2012, haben Hinnerk Wienke und seine Frau Elisabeth Förg in einer ländlichen Region Malis gelebt und gearbeitet. Die Bilder dieser Fotoserie „Die Welt der Tankstellen“ sind auf privaten und beruflichen Reisen quer durchs Land entstanden.

Kontakt: hwienke@gmx.net

Wir waren angespannt bis zuletzt, trotz zahlreicher lieber Menschen waren wir unsicher, wie alles ausgehen wird. Drei Tage war der Flughafen geschlossen, Montag Mittag erfuhren wir, dass unser Flug am Mittwoch Abend planmäßig stattfinden soll. In Windeseile begannen wir, unser zurückgelassenes Hab und Gut auf Freunde, Bekannte, und Nachbarn zu verteilen, unsere letzten Koffer zu packen, das Auto startklar zu machen, uns nochmals zu verabschieden.

Am Dienstag eine unspektakuläre zehnstündige Autofahrt nach Bamako, Wehmut beim letzten Blick auf die Felsen des Dogonplateaus, die sandige trockene Weite, die eleganten Peul-Hirten und Märkte entlang der Straße. Keine zusätzlichen Militärposten, alles ganz normal.

Mittwochs ab 7.00 morgens Hektik pur. Hinnerk muss gemeinsam mit Macki Gepäckstücke, die vor einer Woche ein ehemaliger Kollege aus Bandiagara mitgenommen und bei sich eingestellt hat, in Kati abholen – Kati ist die Garnisonsstadt vor den Toren Bamakos, wo der Putsch seinen Ausgang genommen hat und die Straße dorthin soll „eher gemieden“ werden. Um 10.00 bestätigt endlich Brussels Air, dass der Flug tatsächlich stattfindet.

Der Frächter für unser unbegleitetes Fluggepäck hatte letzten Endes doch keinen Lieferwagen, mit dem er unsere 12 Kisten abholen und zum Zoll bringen konnte. Und nochmals klopfen wir uns auf die Schulter, dass wir Macki, den ehemaligen Chefchauffeur des Projekts für diese Reise angeheuert haben, denn der macht einen Anruf und nach einer Stunde steht ein Kleinbus vor unserer Herberge und liefert unser Hab und Gut zum Frachtflughafen. Wir reisen mit unglaublichen 335 kg zurück nach Europa! Die Zöllnerin schüttelt nach Öffnung der dritten Kiste nur mehr den Kopf, was diese zwei Weißen alles mitnehmen – Fell und Hörner von Benno, unseres zu Tabaski geopferten Schafbocks, wertlose Strohkörbe, Tonteller und Kalebassen, Gartenwerkzeug, Schuhe – und beendet die Kontrolle.

Der Tierarzt schickt die Einreisepapiere für Ulrike mit einem Boten, aber der kommt und kommt nicht, bis er dann nach mehrmaligen Telefonaten doch plötzlich dasteht. Kein Mensch hat übrigens diese Papiere kontrolliert, nicht in Mali, nicht in Brüssel, wo wir umsteigen, nicht in Wien.

Eine kurze Dusche geht sich noch aus, dann ab zum Flughafen. Dort wartet Moussa, mein malischer Projektchef, auf uns, mit einem Abschiedsgeschenk, dem Wappen einer Touareg-Familie. Erst im Flugzeug lese ich seine Karte „… bei Euch habe ich mich zu Hause gefühlt wie in einem Dorf, weit entfernt von Kapitalismus und jeder anderen Diskriminierung…“ Da gehen unsere Herzen doppelt auf.

Dieu est grand ruft Hinnerk am Donnerstag aus, wie wir erfahren, dass es in Bamako wieder brodelt. Der Flughafen wurde vormittags von Demonstranten gestürmt, die gegen die Landung von fünf Staatspräsidenten, protestierten. Den ruhigsten Tag des Putsches haben wir zwei Monate im voraus ausgewählt, um auszufliegen. Jetzt sitzen wir erschöpft nach einem 48-Stunden-Marathon in Wien und schnattern bei 21°C. Und ich gebe auf die Schnelle ein Telefoninterview:

Nachbarstaaten wollen Grenzen dichtmachen – Mali – derStandard.at › International.

Eine ausführliche Analyse des Konflikts, von dem noch kein Ende in Sicht ist

allAfrica.com: Mali: The Tuareg – Between Armed Uprising and Drought.

Katzenmania

auf vielfachen wunsch idylle, keine politanalysen

 

puzzle de désastre

mes chèr(e)s ami(e)s

danke für eure liebe anteilnahme – hat mir sehr geholfen mein „puzzle de désastre“ wieder zusammenzusetzen. momentan leider nicht mehr. der umstieg vom sechs- auf´s ein-finger-system ist äußerst anstrengend.

alles liebe an euch    master of desaster       Hinnerk

vorlage für "puzzle de désastre"

teil 1

teil 2

teil 3

teil 4

teil 5

Gesund werden

Kann ganz schön anstrengend sein, so ein malischer Patient.

Alle kommen ihn zu grüßen (saluer le malade) und gute Besserung zu wünschen (meilleure santé, meilleure santé), alle Stunden quietscht das Gartentor: Souleymane, unserer Guide bei allen Wanderungen in der Falaise mit unseren Freunden, ein Bruder von Elène, eine Tochter von Elène, 10 Kinder aus unserer Straße, Aly, ein ehemaliger Chauffeur vom Projekt, Youssouf, der ehemalige Agronom vom Projekt, Souleymane, der Autowerkstättenbesitzer, Bruno, der rechte Nachbar, Sidibe, der Nachbar linkerhand, die Frau von Bruno, Aly, der Rezeptionist vom Hotel Falaise der dabei ist ein Cyber-Café aufzubauen, Bagayogo, der Projektbuchhalter, Amidou, der ehemalige Wächter von Thomas, Djiguiba, der Hausbesitzer, ein unbekannter Freund von Diewolo, Moussa, der begnadete Gärtner*, Badji, der Schlosser… : „Il ne mange pas? Il doit manger, il doit bien manger! Il fume trop? Ce n’est pas bon ! Il doit pas fumer, il doit pas fumer! Il a beaucoup de douleur? Ca va aller, ca va aller, ca va passer! Ca va mieux quand même? Meilleure santé ! Courage, courage, vraiment ! Meilleure santé, meilleure santé !“

Und alle erzählen eine Erfolgsstory von dem traditionellen Heiler in Ficko. Nach der Diagnose im Spital von Mopti wäre dies – neben einer Überstellung nach Bamako oder gar nach Europa – die dritte Option gewesen. Niemand ginge mit einem Knochenbruch ins Spital sondern man fährt nach Ficko, alles wurde dort geheilt und rehabilitiert: falsch zusammengewachsene Bein- und Armknochen hat der Heiler wieder auseinandergebrochen, neu geschient und wiederhergestellt, postoperative Schmerzen kuriert, einen angeschwollenen Arm, den sie im Spital amputieren wollten, behandelt und gerettet, ein gebrochenes Schlüsselbein ist binnen einer Woche ausgeheilt….

Früher waren die Heiler in Anakanda die Besten, erfahren wir bei diesen Krankenbesuchen. Aber die Gier nach Geld und Reichtum hielt Einzug im Dorf. Für das Wunder des Heilens darf man aber nichts verlangen, jeder gibt das, was er will und kann. Darum wurde Anakanda diese Gnadengabe weggenommen und macht nun in Ficko Station.

Alle Alternativmedizin-Anhänger mögen Hinnerk verzeihen: Er hat in diesem Fall mehr der guten alten Schulmedizin vertraut und ein Röntgenbild kann etwas unheimlich Wertvolles für die eigene Sicherheit sein.

* Wolfgang, Karin, Michl: Gestern abend gab es Romanesco, von Moussa groß gezogen, mit Mandel-Kapern-Brösel nach dem Rezept aus Eurem Großen Italienischem Kochbuch!

Heilungsverlauf

Ich befürchte, er ist bei seinem Unfall doch auch auf den Kopf gefallen. Demnächst will er als Klimt-Hundertwasser-Marabout in Bandiagara spazieren gehen.
Zwischen Klimt und Hundertwasser

Er will einfach nicht mehr. Das ist die plausibelste Erklärung. Er will einfach nicht mehr Rad Fahren. Aber das zuzugeben ist nicht leicht für einen Mann mit so einer Biographie, schier ein Ding der Unmöglichkeit.
In den letzten 15 Monaten gab es so viele Gründe nicht Rad zu fahren, so viele objektive Gründe, die aufzuzählen sich lohnen: Die ersten Monate der Stress mit dem Haus und der Renovierung, dann die plötzliche Reise nach Österreich wegen dem Tod meines Vaters, dann mein Stress in der Arbeit, dann die Hitzeperiode, wo man schon am Frühstückstisch schwitzt und ohne Klimaanlage gar nicht einschlafen kann, dann die Regenzeit mit den schlammigen Wegen, dann die feuchte Hitze, dann der Besuch von Mutter und Tante, dann der Autourlaub in Burkina, dann der Stress mit Projekt- und Vertragsende, dann die Besuche von Anita mit Familie und von Bruno. Von wenigen Ausnahmen abgesehen war wirklich nie Zeit, sich einfach aufs Rad zu schwingen und „durch die Gegend zu tüddeln“.
Dann kam der Februar. Ich zunehmend entspannt und erholt von meinem Monsterjob, ideale Wetterverhältnisse, viel freie Zeit liegt vor uns. Was kann es Schöneres geben als mit kleinen Touren unsere Körper behutsam wieder an so etwas wie Sport zu gewöhnen? Nur 10 km Luftlinie von Bandiagara entfernt entdecken wir Dörfer einer untergehenden Welt, Höhlenmalereien, sammeln Tamarinden, bewundern Sonnenuntergänge auf dem weiten Plateau.
Es macht Spaß. Aber eigentlich will er ja nicht mehr Rad fahren, nur das Argumentationsinstrumentarium ist erschöpft. Es bleibt ihm vorigen Donnerstag also nichts anderes übrig als mit 50 Sachen oder mehr eine steile, rumpelig gepflasterte Piste hinunterzubrettern, mit einer Hand nach dem vom Fahrtwind erfassten Käppi zu greifen, die Kontrolle zu verlieren und sich hinzulegen: Schlüsselbeinbruch, Rippenprellung, Schürfwunden.
Es sollte nur eine kurze spätnachmittägliche Ausfahrt ins nächst gelegene Dorf werden, und dann dieser Alptraum. Wie ich ihn finde, steht eine Gruppe Schüler erstarrt um ihn herum. Sie setzen ihren Nachhauseweg erst fort, als Hilfe im Anflug ist. Macki, der Chef-Chauffeur im Projekt, bringt uns ins Spital nach Mopti, im Spital in Bandiagara gibt es kein Röntgengerät (genauer gesagt es gibt seit 8 Monaten eines, soll von USAID finanziert sein und so kompliziert, dass der Röntgenassistent seit 6 Monaten irgendwo auf Schulung ist, deshalb ist es – noch – nicht in Betrieb). In Mopti wollen sie ihn gleich dort behalten („hospitaliser“) und am nächsten Tag operieren, aber das verweigern wir, also entweder Überführung nach Bamako oder flugs nach Europa sind die Alternativen. Um Mitternacht zurück nach Bandiagara und am nächsten Tag 700 km ins nächste gute Krankenhaus nach Bamako.
Moussa, mein ehemaliger malischer Projektchef, hat dort alles perfekt organisiert: um 20.00 Uhr abends hat Hinnerk einen Termin beim berühmtesten Unfallchirurgen Malis, ein ruhiger, netter, älterer Herr in weitem Boubou, Professor und General der Armee. Mit wenigen Worten beruhigt er uns, der Bruch sei nicht kompliziert und müsse nicht operiert werden. Er dehnt sanft Hinnerks Schulter, bringt so das Schlüsselbein wieder in eine Linie und legt einen Stützverband an, Kontrolle in drei Wochen. „Aber kein Radfahren bis auf weiteres!“ meint er mit erhobenem Finger und verschmitztem Lächeln. Moussa und seine Familie nehmen uns bei sich zu Hause auf, hegen und pflegen uns rund um die Uhr. Am Montag wagen wir die elfeinhalbstündige Rückreise nach Hause, nach Bandiagara. Unser Leben in Mali, in unserer Villa Garage de Luxe, mag zeitweise wie eine Idylle in einem armen zerrissenen Land anmuten, die Herzlichkeit und Hilfsbereitschaft der Menschen ist definitiv Realität.
Jetzt ist Hinnerk am Weg der Besserung, hat immer noch starke Schmerzen von der Prellung, liegt gewaschen brav am Rücken auf der Terrasse und döst im milden Nachmittagslicht vor sich hin. Alles wird gut.

PS: Seinem Mounty ist nichts passiert. Genesungswünsche an: hinex@gmx.net

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