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Posts Tagged ‘bike’

Er will einfach nicht mehr. Das ist die plausibelste Erklärung. Er will einfach nicht mehr Rad Fahren. Aber das zuzugeben ist nicht leicht für einen Mann mit so einer Biographie, schier ein Ding der Unmöglichkeit.
In den letzten 15 Monaten gab es so viele Gründe nicht Rad zu fahren, so viele objektive Gründe, die aufzuzählen sich lohnen: Die ersten Monate der Stress mit dem Haus und der Renovierung, dann die plötzliche Reise nach Österreich wegen dem Tod meines Vaters, dann mein Stress in der Arbeit, dann die Hitzeperiode, wo man schon am Frühstückstisch schwitzt und ohne Klimaanlage gar nicht einschlafen kann, dann die Regenzeit mit den schlammigen Wegen, dann die feuchte Hitze, dann der Besuch von Mutter und Tante, dann der Autourlaub in Burkina, dann der Stress mit Projekt- und Vertragsende, dann die Besuche von Anita mit Familie und von Bruno. Von wenigen Ausnahmen abgesehen war wirklich nie Zeit, sich einfach aufs Rad zu schwingen und „durch die Gegend zu tüddeln“.
Dann kam der Februar. Ich zunehmend entspannt und erholt von meinem Monsterjob, ideale Wetterverhältnisse, viel freie Zeit liegt vor uns. Was kann es Schöneres geben als mit kleinen Touren unsere Körper behutsam wieder an so etwas wie Sport zu gewöhnen? Nur 10 km Luftlinie von Bandiagara entfernt entdecken wir Dörfer einer untergehenden Welt, Höhlenmalereien, sammeln Tamarinden, bewundern Sonnenuntergänge auf dem weiten Plateau.
Es macht Spaß. Aber eigentlich will er ja nicht mehr Rad fahren, nur das Argumentationsinstrumentarium ist erschöpft. Es bleibt ihm vorigen Donnerstag also nichts anderes übrig als mit 50 Sachen oder mehr eine steile, rumpelig gepflasterte Piste hinunterzubrettern, mit einer Hand nach dem vom Fahrtwind erfassten Käppi zu greifen, die Kontrolle zu verlieren und sich hinzulegen: Schlüsselbeinbruch, Rippenprellung, Schürfwunden.
Es sollte nur eine kurze spätnachmittägliche Ausfahrt ins nächst gelegene Dorf werden, und dann dieser Alptraum. Wie ich ihn finde, steht eine Gruppe Schüler erstarrt um ihn herum. Sie setzen ihren Nachhauseweg erst fort, als Hilfe im Anflug ist. Macki, der Chef-Chauffeur im Projekt, bringt uns ins Spital nach Mopti, im Spital in Bandiagara gibt es kein Röntgengerät (genauer gesagt es gibt seit 8 Monaten eines, soll von USAID finanziert sein und so kompliziert, dass der Röntgenassistent seit 6 Monaten irgendwo auf Schulung ist, deshalb ist es – noch – nicht in Betrieb). In Mopti wollen sie ihn gleich dort behalten („hospitaliser“) und am nächsten Tag operieren, aber das verweigern wir, also entweder Überführung nach Bamako oder flugs nach Europa sind die Alternativen. Um Mitternacht zurück nach Bandiagara und am nächsten Tag 700 km ins nächste gute Krankenhaus nach Bamako.
Moussa, mein ehemaliger malischer Projektchef, hat dort alles perfekt organisiert: um 20.00 Uhr abends hat Hinnerk einen Termin beim berühmtesten Unfallchirurgen Malis, ein ruhiger, netter, älterer Herr in weitem Boubou, Professor und General der Armee. Mit wenigen Worten beruhigt er uns, der Bruch sei nicht kompliziert und müsse nicht operiert werden. Er dehnt sanft Hinnerks Schulter, bringt so das Schlüsselbein wieder in eine Linie und legt einen Stützverband an, Kontrolle in drei Wochen. „Aber kein Radfahren bis auf weiteres!“ meint er mit erhobenem Finger und verschmitztem Lächeln. Moussa und seine Familie nehmen uns bei sich zu Hause auf, hegen und pflegen uns rund um die Uhr. Am Montag wagen wir die elfeinhalbstündige Rückreise nach Hause, nach Bandiagara. Unser Leben in Mali, in unserer Villa Garage de Luxe, mag zeitweise wie eine Idylle in einem armen zerrissenen Land anmuten, die Herzlichkeit und Hilfsbereitschaft der Menschen ist definitiv Realität.
Jetzt ist Hinnerk am Weg der Besserung, hat immer noch starke Schmerzen von der Prellung, liegt gewaschen brav am Rücken auf der Terrasse und döst im milden Nachmittagslicht vor sich hin. Alles wird gut.

PS: Seinem Mounty ist nichts passiert. Genesungswünsche an: hinex@gmx.net

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Burkina endlich!

Die Straßenränder sind frei von Abfällen, die Busse und Lastwagen kommen einem nicht windschief entgegen, und jedes Dorf hat mindestens eine Tanzbar.

Würde man eine Verkehrszählung auf den Überlandstraßen machen, egal ob asphaltiert oder Lateritpiste, die Statistik würde von den Radfahrern angeführt, gefolgt von Fußgängern, Eselskarren, Lastwagen, Kleinbussen und zu guter letzt Privatautos.

Die Radfahrerinnen und Radfahrer: Sie fahren alleine, in Gruppen, telefonierend, mit Kleinkinder auf den Rücken gebunden oder vorne im Lenkerkorb liegend, den kleinen Bruder oder die Freundin hinten am Gepäckträger.

Eine Hacke über der Schulter, ein Buch in der Hand, die Schulranzen am Rücken,

einen geflochtenen Korb oder die Lederhandtasche auf dem Kopf,

eine an den Beinen zusammengebunden Ziege am Rahmen,

Hühner an der Lenkstange,

Reissäcke, Brennholzbündel, Garben frisch geernteter Hirsekolben, Bündel Kochschüsseln und Pfannen, Wasserkanister, Körbe mit Marktwaren auf den Gepäckträger geschnürt,

im Pulk für die Tour de Faso trainierend …

immer lachend und winkend, bevor sie von unserem fetten Kübel eingestaubt werden, wenn wir vorbeibrausen.

Perfekt eingeparkt

Chez Obama – ein weiteres Highlight auf der Reise quer durchs Land. In einem staubig-verschlafenen Grenzstädtchen zu Ghana lachte uns dieses kleine Straßenlokal mit adrett blau-gelber Front von weitem entgegen. Zwischen den Pfeilern baumelten fein sortiert bunte Tüten, Taschen, Sackerl, Schnüre und Spülwaschl. Es war später Vormittag, die Mittagssonne glühte und der kleinen Imbiss übertraf alle Erwartungen: eisgekühltes Cola, köstliche Perlhuhnsuppe serviert in weiß-pinken Plastiktellern und Nescafé im Glas (!) zum Abschluss.

Chez Obama: ein kleines Juwel in Zabré

Obama isst super

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Rock`n´Roll

das licht orange – vorboten der ersten sandstürme, die dem regen vorauseilen. die stimmmung surreal, unwirklich. unser wärter geht mir auf die nerven, er ist komplett überflüssig. zum wachen sowieso und zum gießen des gartens zuviel oder zuwenig.

aber für was zahlen wir ihn dann ? es bedeutet schon eine anstrengung hier was selber zu machen. jeder will einem jeden handgriff aus der hand nehmen, könnten ja ein paar cent rausspringen, sodaß man sich jede „anstrengung“ erkämpfen muss. nur komandieren ist umsonst ! die termiten bauen derweil ihre häuser in unserem haus.

und unsere nimmersatten haustiger werden in dieser zeit der hitze erschreckenderweise immer mehr zu einem vorbild für mich : fressen und schlafen.

eine der wenigen werbungen, die es hier gibt, verschaukelt uns wie gewohnt : maggi (hier ausgesprochen wie MAGIE !) macht nicht aus jeder köchin einen stern. so kreiere ich weiterhin unsere speisen, vorneweg kalte gurken-, karotten- und tomatensuppe.

Auch alles andere kommt barbarischerweise kalt auf den teller. nudeln mit basilikum-nusspesto, kartoffelpürre, jegliche gemüse, reisomletts etc.  und mangos im augenblick : mangocreme, mangojoghurt, mango mit bananencreme, mangosorbe, mango mit minze und mango und mango und mango….  nur bei der pizza kann man unserer köchin nicht das wasser reichen !

da sah ich dieses poster : welttag des radls. Sevare 21.05  8h. die urzeit wurde ignoriert, die hitze war vergessen und nur die sicherheitswarnungen der deutschen botschaft waren present. „Von Reisen in die Region Mopti wird abgeraten“ . „Beschränken Sie Ihre Wege, sei es zu Fuss, oder im Fahrzeug, auf die allernotwendigsten und meiden Sie nach Möglichkeit Orte, an denen typischerweise westliche Ausländer vermutet werden“. „Es wird empfohlen ihre ohnehin schon hohe Aufmerksamkeit unbedingt beizubehalten und die Präsenz in der Öffentlichkeit, soweit machbar, einzuschränken“ und „Verhalten sie sich unauffällig“.

bei dieser veranstaltung des american peace corps vermuteten wir natürlich keine westlichen ausländer und waren nicht überrascht eine riesige menge Malischer radfahrer anzutreffen.

sorgen machten uns nur bei diesen coolen kämpfern des NMIV (*) ihre gefährlichen geschosse.

(*) nicht-motorisierter-individualverkehr

doch dann ging`s los und die internationale brigade eroberte die strasse,

erkämpfte sich kilometer für kilometer,

unterstützt von alten frontkämfern

und al khaida überläufern,

um dann schlussendlich unauffällig in Mopti einzufallen.

doch dieser sieg gegen hitze, staub und hartem gegenwind war ein besonderer verdienst der weltweit geführchteten waffenradgang.

und natürlich, wie so oft an vorderster front bei einem weiteren heroischen sieg :

RAD-CORE

socialismo / bike o muerte !

redigiert mit freundlicher unterstützung von Ulrike (Meinhof)

      

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