Feeds:
Beiträge
Kommentare

Posts Tagged ‘Entwicklungszusammenarbeit’

Sundowner zum Abschied

Und plötzlich ist ein Jahr vorbei. Tabaski ist ins Land gezogen und es wird Winter. Die Hirseernte ist in vollem Gange, das intensive Grün weicht mehr und mehr den Brauntönen, der Wächter gießt morgens den Garten mit einer dicken roten Fleece-Jacke und einer orangen Schimütze auf dem Kopf (gut, die trägt er das ganze Jahr über). Man vermeidet, sich spät abends zu duschen, weil sich das Wasser zu kalt anfühlt.

Im Projekt ist viel Unerwartetes passiert: Mitte September kam unser Geldgeber KfW (deutsche Entwicklungsbank) zu Besuch und teilte bei dieser Gelegenheit mit, dass sie die Kooperation mit dem DED  mit Ende 2011 beenden und ab 2012 mit einem internationalen Konsulentenbüro zusammenarbeiten wird. Meine Stelle als Entwicklungshelferin/Projektmanagerin ist damit auch gestrichen.

Ende September mussten wir alle 27 angestellten Mitarbeiter kündigen. Die Frustration, den Ärger und die gesamte Stimmung im Projekt könnt Ihr Euch vielleicht vorstellen, nach 20 Jahren ein so plötzliches Ende. Alles andere als die viel gerühmte „Good Practice“ in der Entwicklungszusammenarbeit. Und auch ganz anders als die Zusammenarbeit mit Deutschland hier wahrgenommen wird: langfristig planend, wohl überlegt, verlässlich.

Begründet hat die KfW diese Entscheidung damit, dass sie ihre Umsetzungsstruktur verändern „harmonisieren“ will – sie arbeitet auch sonst mit Konsulentenfirmen, die Kooperation mit dem DED im Dogonland war eine Ausnahme. Als zweiter Grund wurde angeführt, dass der DED wegen der Fusion mit der GTZ ab 2012 die Kontoführungsberechtigung verlieren wird, der Bank blieb also gar nichts anderes übrig, als in Windeseile einen Konsulenten zu suchen. Wahrscheinlich wird eine deutsche Firma die Ausschreibung gewinnen und die nächsten fünf Jahre weiter Kleinstaudämme bauen, auf eigene Gewinnmaximierung ausgerichtet.

Na ja. Diese Argumentation ist schon etwas dünn und kaum nachvollziehbar. Wirklich schlimm ist, dass es nicht ansatzweise eine inhaltliche Auseinandersetzung gab oder gibt. Wenn zum Beispiel schwerer Missbrauch von Projektmitteln, mangelnde Effizienz oder massive Qualitätsmängel bei den Resultaten nachgewiesen worden wären, würde ich so eine Ho-Ruck-Entscheidung verstehen. Aber es geht nur um verfahrungstechnische Fragen, und das können die Leute hier vor Ort überhaupt nicht verstehen.

DED und KfW verlangen nun von den gekündigten Mitarbeitern, in den letzten zwei Monaten die Ergebnisse von 20 Jahren Arbeit noch fleißig zu „kapitalisieren“ (neues Modewort in der EZA für Erfahrungen aufarbeiten, dokumentieren), um das angesammelte Wissen an den Konsulenten weiterzugeben. Das heißt z.B. ein Manual verfassen „Wie warte ich einen Staudamm“ oder „Wie organisiere ich die Dorfbevölkerung“. Die Mitarbeiter sind dafür natürlich null motiviert. Ich verstehe sie.

So unrühmlich dieses Projektende ist, mir kommt es trotz allem entgegen. Es war ein sehr anstrengendes Arbeitsjahr. Ich habe beschlossen, nicht zu „kapitalisieren“ sondern in meinen heiß ersehnten Urlaub zu starten. Wir reisen durch Burkina Faso und vielleicht in den Norden von Ghana und kommen Anfang Dezember zurück. Und so wie es aussieht, werden wir mit Frühlingsbeginn wieder in Österreich landen.

Tao, mein Stellvertreter für die letzten zwei Monate, wird alles richten

Der Abschied vom Projekt war berührend. Zuerst wollte ich das Fest mit dem allgemeinen Abschluss“fest“ im Dezember zusammenlegen, weil ich ja nur auf Urlaub gehe, aber das war nicht akzeptabel. Dann habe ich mir ein Picknick auf dem Dogon-Plateau gewünscht. Es war sehr sehr schön, mit ein bisschen Tanz, Spiel, Temoignages (wer wollte, sagte etwas Persönliches zu meinem Abschied) und gutem Essen. Am Ende ließen wir einen chinesischen Lampion in den Nachthimmel steigen, und die Kollegen haben Allah gedankt.

Festvorbereitung

Abschiedsrunde

Mit Moussa, dem malischen Projektchef

Tanz auf dem Felsen

Endlich frei

Advertisements

Read Full Post »

#69 Hardship Living « Stuff Expat Aid Workers Like.

Nicht dass wir so leben würden, aber hat schon was, dieser Zynismus.

Read Full Post »

flashback : bad honnef. auf die frage wie ich am besten mein edles radl nach mali transportiere bekomme ich erst einmal die gegenfrage ob ich verrückt wäre in so ein armes land mein radl mitzunehmen, da könnte ich es ja gleich verschenken. damals dachte ich mir nur, der junge ist grün hinter den ohren, war ich doch schon in unzähligen ländern lateinamerikas mit meinem teuren gefährt, was auch dort für die meisten ein vielfaches jahresgehalt bedeutet und ich mich zumindest auf dem lande sicherer fühlte als in der großstadt wien.

angesichts der tatsache, daß ich hier mein bike selbst an markttagen, wo sich das dogonplateau versammelt und die ganze stadt brummt, unabgesperrt stehen lasse und ich in aller ruhe einkaufen gehe empfinde ich dieses statement im rückblick als rassistisch. ohne das ich ihm bösartigkeit unterstellen will !

doch da handelt es sich um jemand in der organisation, der nur für die übersiedlung frage und antwort stand. viel gravierender sind eigentlich die leute vor ort, die ihren hiesigen mitarbeitern permanent mit mißtrauen begegnen und an jeder ecke korruption und abzocke vermuten. angesichts ihrer eigenen unzulänglichkeit und mangelnden mitarbeiterführung, die auch in heimischen gefilden nicht akzeptabel wären, drängt sich für mich folgende gleichung auf :

die höchsteigene inkompetenz potenziert sich in der interkulturellen inkompetenz

ist es nicht pervers, wenn wir uns derart aus dem fenster lehnen angesichts unserer großkopferten krassers, genfoodmanipulatoren, naseweisen wirtschaftslobbyisten und industrialisierter landwirtschaft-vertretern ?! zäumen wir nicht das pferd von hinten auf, sondern fegen wir dieses betrügende und schmarotzende gesindel aus dem eigenen stall, sonst dürfen wir uns nicht wundern über unfähige führungsetagen in der entwicklungshilfe. so entsteht nur der fahle geschmack einer weihnachtlichen klingelbeutel – gewissensberuhigung.
im übrigen bin ich der meinung schafft die entwicklungshilfe ab, sondern zahlt ihnen korrekte rohstoffpreise und ermöglicht ihnen ein faires einkommen.

viva zapata !          a plus   Hinnerk

Read Full Post »

Wenn ich so meine Blogbeiträge betrachte, muss ich feststellen, dass ich noch immer das Thema Arbeit vermeide, obwohl Arbeit mein Leben in hohem Ausmaß bestimmt.

Ein Grund ist: Ich arbeite viel zu viel. Ich will in der Freizeit über andere Sache nachdenken als über meine Arbeit.

Ein zweiter Grund ist: Ich denke in der Freizeit viel über meine Arbeit nach, aber es fällt mir irrsinnig schwer, über meine Arbeit zu schreiben

Ein dritter Grund ist: Der Traumjob ist es nicht. Ich muss für meinen Geschmack viel zu viel administrieren und kontrollieren. Wir bauen in dieser Saison 10 Dorfzugangspisten und 6 Kleinstaudämme, und alle sollen vor der Regenzeit bis ca. Mitte Juli fertig werden.

Aber natürlich gibt es auch schöne Tage, und dazu gehören eindeutig die Feldbesuche. Da sehe ich endlich, was hinter all den Papieren und Rechnung wirklich steht. Mindestens einmal in der Woche fahre ich mit einem der Techniker auf ein paar Baustellen, um die Fortschritte und die technische Qualität zu überprüfen und Probleme allgemeiner Art zu besprechen. Es kommt zum Beispiel vor, dass die Arbeiter regelmäßig ein, zwei Stunden zu spät kommen, das Unternehmen die Frauen fürs Wassertragen nicht bezahlt, das Mischungsverhältnis von Sand und Zement nicht stimmt (was mit hoher Wahrscheinlichkeit heißt, dass ein paar Säcke auf einer privaten Baustelle gelandet sind), tiefer gegraben werden muss als geplant, Kinder auf der Baustelle arbeiten, obwohl das auch in Mali verboten ist (aber wenn man nach dem Alter fragt, sind sie alle 16 oder es wird mit der Tradition im Dorf gerechtfertigt), die Randsteine nicht tief genug gesetzt sind, der Lastwagen für den Materialtransport en panne und der Unternehmer seit zwei Tagen nicht mehr aufgetaucht ist…

Zwischen dem Projekt, dem beauftragten Unternehmen und dem jeweiligen Dorf gibt es die Vereinbarung, dass sich die Dorfbevölkerung an dem Bau beteiligt: Ihr Beitrag ist vor allem das Verrichten der schweren körperlichen Arbeit: Steine klopfen (Land der Hämmer), den Aushub machen, Sand, Wasser herbei schaffen, Maurerhilfsarbeiten, und das bei 40° und mehr Hitze. Ich hatte einmal nach nur einer Stunde schauen und reden einen kleinen Sonnenstich. Die Logik dahinter ist, dass es dadurch ihr Bauwerk werde, und sie so auch gut für die Wartung sorgen werden („Ownership“ und „Nachhaltigkeit“ im EZA- Jargon). Bis auf den Wassertransport und die Essensversorgung ist diese Mitarbeit eine rein männliche Angelegenheit.

Wenn ich bei diesen Besuchen aus dem Landcruiser aussteige, fühle ich mich wie von einem fremden Stern. Und die Freude ist überschwänglich, wenn ich einen Schöpfer voll Creme trinke (gestampfte Hirse mit Wasser aufgekocht und mit Ingwer oder Tamarindensaft gewürzt) oder bei ihrer täglichen Hauptspeise To aus der großen Schüssel mitesse (gestampfte Hirse mit einer grünen schleimigen Soße). Einmal habe ich mir dabei Salmonellen eingefangen, aber nur einmal.

Ende Mai besuchte uns eine Delegation des malischen Landwirtschaftsministeriums, da ging es bei den Baustellenbesuchen dann etwas offizieller her, dafür gibt es endlich einige Photos von Projektfotograf hinex:

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Read Full Post »

There You Go! A Satirical Cartoon on Sustainable Development.

Tut so gut über die eigene Branche zu lachen

Read Full Post »

Sollte Mali einmal in den letzten Monaten in den österreichischen und deutschen Medien aufgetaucht sein, dann wegen Entführungen und Terrorismus. Und wenn jemand die Reisewarnungen diverser Botschaften bezüglich Mali liest, wird er/sie sich fragen, wie sich ein normaler Mensch überhaupt hier aufhalten kann.

Also: Laut den Franzosen – und die Deutschen halten sich großteils an deren Einschätzung der Lage – gehören die Regionen nördlich des Niger zur „roten Zone“. Wir hier in der angrenzenden Region Mopti, zu der das Dogonland gehört, befinden uns in der „orangen Zone“. In den Sicherheitshinweisen des Auswärtigen Amtes liest sich das so:

„… Deutlich erhöhte Anschlags- und Entführungsrisiken bestehen u.a. für touristische Ziele, an denen regelmäßig westliche Staatsangehörige verkehren … Von Reisen in das Gebiet nördlich einer Linie Kayes – Mopti sowie gegenwärtig in die gesamte Verwaltungsregion Mopti und in das südlich von Mopti gelegene Grenzgebiet zu Burkina Faso wird abgeraten.“

Hilfe!!!! Nur gut, dass die Internet-Verbindung in Bandiagara so schlecht ist, dass wir uns die Seite mit den Reisewarnungen nicht regelmäßig reinziehen können!

Aber keine Sorge, liebe Angehörige und FreundInnen im sicheren Hafen Europas: MÜNDLICH wurde uns versichert, dass das Dogonland von diesen Warnungen ausgenommen sei (hat das damit zu tun, dass das Dogonland eine Vorzeigeregion der Deutschen Entwicklungszusammenarbeit ist?). Und überdies sind wir ja keine Reisenden, wir leben und arbeiten ja hier, basisnah, geschützt durch die Einbettung in die lokalen Strukturen ☺

Trotzdem hätten wir – die paar Weißnasen Bandiagaras – gern ein paar bescheidene Elemente einer Krisenvorsorge verwirklicht.

  • Über weite Strecken hat man im Dogonland keinen Mobilfunk-Empfang, wir sind arbeitsbedingt viel „in nicht hinreichend durch wirksame Polizei- oder Militärpräsenz gesicherten Gebieten“ unterwegs. Seit einem halben Jahr warten wir auf Satellitentelefone, um zumindest die technische Möglichkeit zu haben, bei Gefahr im Verzug in Kontakt zu treten (eigentlich Standard in internationalen Organisationen). Derweilen treiben wir uns unbehelligt im Busch herum.
  • Seit Januar arbeiten unsere Verantwortlichen in Bamako an einem Sicherheitskonzept fürs Dogonland. Gesehen haben wir noch nichts davon. Ist jetzt auch schon Wurscht, in einem Monat beginnt eh die Regenzeit, dann sind viele Pisten hier nicht mehr befahrbar und potentielle Entführer würden wie ihre potentiellen Opfer im Schlamm stecken bleiben. Eine Telefonkette, um uns gegenseitig zu informieren, haben wir uns mittlerweile selbst erstellt.
  • Die Anfrage, mit uns ein Sicherheitstraining mit dem Schwerpunkt Verhalten im Fall einer Entführung zu machen, wurde bis heute nicht mit einem klaren Ja oder Nein beantwortet. Unsere sozialen Kompetenzen wurden ja im Auswahlseminar gründlich geprüft, das wird schon reichen.
  • Mitte April erhielten wir per Mail eine explizite Warnung vor „geplanten Entführungen/Geiselnahmen im Raum Mopti und im Gebiet zwischen Mopti und der Grenze zu Burkina Faso“, also quasi vor unserer Haustür. Wir wurden alle „zu größter Aufmerksamkeit, Umsicht und Vorsicht“ in unserem Verhalten in den nächsten Tagen aufgerufen. Wir waren zum Beispiel an diesem Tag unbedarft Richtung Burkina Faso unterwegs, einmal sahen wir ein Militärfahrzeug, die Soldaten winkten uns freundlich zu. Wie hinlänglich bekannt, haben wir nicht jeden Tag Zugang zu unseren Mails, deshalb hatten wir mehrmals gebeten, uns in dringenden Fällen per Fax oder telefonisch zu verständigen…
  • „… meiden Sie nach Möglichkeit Orte, an denen „typischerweise“ westliche Ausländer vermutet werden“ hieß es weiter in dem Mail Mitte April. Typischerweise verbringe ich meinen Arbeitstag im Projektbüro, das ist in der ganzen Region bekannt. Soll ich also zu Hause bleiben? Aber typischerweise halten sich westliche Ausländer auch in ihren Wohnstätten auf, und das viele Stunden pro Tag und Nacht. Wo soll ich hin? Gut, im Februar wurden wir angewiesen, nicht nur einen Nacht- sondern auch einen Tagwächter anzustellen – mit der Ausnahme, dass EntwicklungshelferInnen mit Partnern nicht dazu verpflichtet sind. Sind also Ehepaare weniger gefährdet? Soll ein Partner immer zu Hause bleiben und nebenbei die Bewachung übernehmen? Oder ist ein Wächter eh nur ein legales Beruhigungsmittel und stellt keinen wirksamen Schutz dar?

Tja, ein professioneller Umgang mit Sicherheitsfragen ist ein anderer. Da haben uns die Deutschen schon überrascht, während ich ein solches Vorgehen jeder österreichischen Vertretung zugetraut hätte… Und was sagen überhaupt die Österreicher zu dem Thema? Diese warnen mit einem kleinen Unterschied:

„…Darüber hinaus wird derzeit vor allen Reisen in den Verwaltungsbezirk Mopti gewarnt (einschließlich Djenné und Dogonland) … Die Österreichische Botschaft Dakar kann in Not geratenen Österreichern, solange sie sich in den Gebieten aufhalten, für die eine Reisewarnung ausgesprochen wurde, wenn überhaupt, nur in sehr eingeschränktem Umfang konsularische Hilfestellung leisten.“

Sehr schlau! Mani pulite! Und so ungewohnt ehrlich, dass sie keinen Finger rühren werden… intrakulturelles Lernen ohne Ende.

Gibt es nun ein Risiko oder nicht? Wir sind gerne hier.

Teil des Sicherheitskonzepts: Unser Nachtwächter

Read Full Post »

Was können wir? Was wollen wir? Was ist notwendig?

von: http://www.owen.org/blog/4548

Do we want to do what really needs doing?

Read Full Post »

Older Posts »

%d Bloggern gefällt das: